
Diakonie Mülheim -
Aktuelles
Hinschauen nicht nur am Tag der Wohnungslosen
Wohnungsnot ist in jedem Stadtbild sichtbar – doch wenden viele Menschen lieber den Blick ab. Deshalb steht der „Tag der wohnungslosen Menschen“, der in jedem Jahr am 11. September ist, diesmal unter dem Thema „Hinschauen. Aktiv werden. – Gemeinsam gegen Wohnungsnot“. Der Aktionstag 2026 will ein Zeichen für mehr Aufmerksamkeit, gesellschaftliche Verantwortung und die Partizipation wohnungsloser sowie ehemals wohnungsloser Menschen setzen. Auch die Ambulante Gefährdetenhilfe, die als Abteilung des Diakonischen Werkes in Mülheim Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen betreut, beteiligt sich.
Fachkompetente Ansprechpersonen und zuverlässige Unterstützer:innen sind die Fachkräfte der Wohnungslosenhilfe der Mülheimer Diakonie immer. Am Aktionstag, 11. September 2026, wird Streetworker Leonard Jakobi zudem zum Koch: An diesem Tag wird der Sozialarbeiter, der auch in der Gefährdetenwohnhilfe der Ambulanten Gefährdetenhilfe beschäftigt ist, ein warmes Mittagessen für die Besucher:innen der Teestube zubereiten. Mit Liebe gekochte Kartoffelsuppe mit Würstchen wird es an diesem Tag geben – und das ausnahmsweise kostenfrei. Denn sonst kostet das werktäglich servierte warme Mittagessen 1,50 Euro pro Person. Eben dieser Obolus entfällt am Tag der Wohnungslosen – als Geschenk für die betreuten Menschen.
Zugleich stellen sich die Fachkräfte hinter die mit dem Aktionstag verbundene Forderung, die Augen nicht vor der bereits länger andauernden und stetig zunehmenden Wohnungsnot zu verschließen. „Wir stellen fest, dass die Menschen, die wir betreuen, nur schwer bezahlbaren Wohnraum finden und dass sich die Lage seit Jahren verschärft“, berichtet Andrea Krause, die die Abteilung „Ambulante Gefährdetenhilfe“ des Diakonischen Werkes leitet.
Auch in anderen Arbeitsbereichen der Mülheimer Diakonie erleben die Fachkräfte immer wieder, dass Menschen keine passende Wohnung finden. Das gilt für kinderreiche Familien ebenso, wie für Arbeitslose und Zugewanderte sowie für Menschen mit geringem Einkommen.
Doch ist die Wohnungslosenhilfe naturgemäß in besonderem Maße betroffen, werden dort doch Menschen betreut, die sich in der Vergangenheit bereits mit einem geregelten Zuhause, mit Haushaltsführung, oftmals mit einem Mietverhältnis schwergetan haben. „Ihnen gelingt es nun in echten Einzelfällen, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, weiß Andrea Krause. Denn die Problemlagen der von ihrem Tema betreuten Menschen werden immer komplexer: „Viele sind schwerwiegend psychisch oder suchtkrank.“ Das macht umfassendere Hilfeleistungen und eine Nachbetreuung, wenn geeigneter Wohnraum gefunden werden konnte, nötig. Doch ganz am Anfang steht: Genau hinsehen, was diese Menschen brauchen.
OGS-Rechtsanspruch: Diakonie ist vorbereitet
Der 1. August ist für die Abteilung „Soziale Dienste 3 – Soziale Arbeit an Schulen“ in jedem Jahr ein wichtiges Datum. Mitten in den Ferien beginnt an diesem Tag nämlich immer das neue Schuljahr. Diesmal tritt am 1. August zusätzlich noch der sogenannte „OGS-Rechtsanspruch“ in Kraft. Das bedeutet, dass ab dem Schuljahr 2026/2027 zunächst für alle Erstklässler ein Betreuungsplatz an einer Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) vorgehalten werden muss. Ab August 2029 sollen dann alle Grundschüler:innen, deren Eltern das möchten, im Rahmen der OGS betreut werden. Das Team des Diakonischen Werkes, das bereits seit dem Jahr 2004 Betreuungsangebote für Kinder an Grundschulen anbietet, ist darauf gut vorbereitet.
„Die Vorbereitungen auf den OGS-Rechtsanspruch laufen bei uns, gemeinsam mit der Stadt Mülheim an der Ruhr und den Schulleitungsteams, bereits seit Jahren“, berichtet Maike Kleinig als zuständige Abteilungsleiterin. Das Diakonische Werk ist Träger von Betreuungs-Angeboten an 15 Schulstandorten in ganz Mülheim – und die werden zum Schuljahr 2026/2027, wenn der Rechtsanspruch greift, nochmals größer. „Wir betreuen nach den Ferien rund 2.300 Kinder im Rahmen der OGS und Verlässlichen Grundschule (VGS)“, sagt Maike Kleinig und betont: „Wir verstehen uns als unterstützende Begleiter im Schulalltag einer Offenen Ganztagsgrundschule, um gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitenden die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen, zu fördern und ihre sozialen Fähigkeiten zu stärken.“
Das bleibt auch in Zukunft das zentrale Ziel der Betreuungskräfte des Diakonischen Werkes, wie Birgit Hirsch-Palepu als Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes hervorhebt. Sie gibt allerdings auch zu bedenken, dass der Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz „der erste Schritt auf dem richtigen Weg ist. Nun braucht es allerdings noch verbindliche Rahmenbedingungen – gefordert wird unter anderem ein Ausführungsgesetz und damit verbunden verbindliche und gute Rahmenbedingungen insbesondere in Bezug auf die finanzielle und personelle Ausstattung landesweit“.
25 Jahre Beratung für Schwangere im DW
Der Leitspruch ist zeitlos und gilt seit 25 Jahren: „Mit der Frau, nicht gegen sie“. Nach diesem Grundsatz beraten seit dem 1. Juli 2001 die Fachfrauen der Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte des Diakonischen Werkes, kurz „SKB“ genannt, rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt. Die individuelle Situation der ratsuchenden Frauen und ihre persönlichen Wünsche werden dabei stets in den Blick genommen und ins Zentrum der Beratungsarbeit gestellt. Dieses Fundament ist von Beginn an unverändert geblieben, doch haben sich Angebotsstruktur und Konzept der SKB dem gesellschaftlichen Wandel und auch dem medizinischen Fortschritt angepasst.
Man mag es heute kaum glauben, aber im Jahr 2001 war die Eröffnung der Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte als christliche Anlaufstelle bei ungewollten Schwangerschaften keine Selbstverständlichkeit. Die Konfliktberatung, die seit den Neunzigerjahren verbindliche Voraussetzung für einen Abbruch ist, wurde auf der Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr, zu dem das Diakonische Werk bis Ende 2025 gehörte, durchaus kontrovers diskutiert – und letztlich befürwortet.
Dass damit ein wichtiger Arbeitsbereich geschaffen wurde, zeigten die Zahlen von Anfang an: Im ersten Beratungsjahr kamen laut einem Bericht an die Kreissynode aus dem Jahr 2002 gleich 240 Frauen in die Beratung. Und schon damals zeigt sich – die Konfliktberatung ist nur ein Teil des Beratungsangebots. „Im ersten Halbjahr kamen 27 Frauen wegen einer Konfliktberatung und 44 in die allgemeine Beratung“, nennt Sabine Boeger zahlen. Die Diplompädagogin gehört von Anfang an zum SKB-Team. Zunächst nur mit einer anderen Kollegin, mit der sie sich ein kleines Büro teilte. Aktuell besteht das Team aus vier Fachkräften. Im vergangenen Jahr berieten sie 409 Frauen – 95 von ihnen nutzen die Konfliktberatung.
Und so belegen die Zahlen einen Punkt, der Diana Seeger-Linde, die stellvertretende Leiterin der ASD 1 und zugleich Beraterin der SKB ist, besonders wichtig ist: „Die Frauen kommen mit sehr unterschiedlichen Anliegen rund um Schwangerschaft und Geburt zu uns. Sie haben Fragen zu Elterngeld, zu Hebammen, zum Stillen. Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Fragen und unser Ziel ist es immer, den Frauen dabei zu helfen, für sie persönlich passende Antworten zu finden. Wir beraten immer wertfrei, vertraulich und ergebnisoffen.“
Dazu gehört auch, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Denn den Fachfrauen stehen zur Unterstützung der Beratungsarbeit nach Einzelfallprüfung finanzielle Mittel aus der „Bundesstiftung Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“, dem „Landeskirchlichen Härtefonds“ und der „Aktion Lichtblicke“ zur Verfügung.
Die medizinischen Möglichkeiten in der Pränataldiagnostik sowie beim unerfüllten Kinderwunsch haben sich zudem stark weiterentwickelt und bringen Frauen mit ganz neuen Fragestellungen in die Beratung. Auch Trauerbegleitung gehört zur Arbeit der Fachfrauen. „Wir passen unser Angebot dem gesellschaftlichen Wandel an“, sagt Diana Seeger-Linde und meint damit auch die Gruppen- und Präventionsangebote, die das Team der Beratungsstelle anbietet. So gehen die Beraterinnen etwa in Schulen und auch Jugendgruppen und klären über Verhütung auf.
Ein anderes Beispiel ist die Gruppe „jung und schwanger“: „Vor 25 Jahren waren 15 Prozent der bei uns Ratsuchenden minderjährige Teenager“, sagt Beraterin Sabine Boeger. „Heute haben wir kaum noch minderjährige Schwangere in der Beratung.“ Das Gruppenangebot gibt es aber weiterhin. Zudem gibt es regelmäßig einen offenen Treff für Schwangere, bei dem Fachfrauen zu einem bestimmten Thema informieren. Als nächstes geht es beim Treffen am Freitag, 17. Juli 2026, von 10 bis 11.30 Uhr um das Thema „Kinderbetreuung: Möglichkeiten, Planung, Vorgehen“. Treffpunkt ist um 9.45 Uhr an der Information des Diakonischen Werkes am Hagdorn 1a.
Die christliche Stimme in der Konfliktberatung ist die SKB in Mülheim. Insgesamt gibt es in Mülheim fünf Schwangerenberatungsstellen, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Kooperation ist mit allen gut. Denn die Evangelische Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte versteht sich – ebenso wie das Diakonische Werk insgesamt – als Teil eines Hilfenetzwerkes für Mülheimer:innen. So gehört die SKB auch dem Mülheimer Netzwerk „Frühe Hilfen“ an.
Natürlich wird das 25-jährige Jubiläum der SKB und die erfolgreiche, geleitete Arbeit auch gefeiert: Am 27. September steht die Beratungsstelle im Mittelpunkt des diesjährigen Diakoniegottesdienstes, der ab 11.15 Uhr in der Petrikirche gefeiert wird. Dort wird zurück, aber vor allem auch nach vorn geblickt – auf die nächsten erfolgreichen 25 Jahre.