
Diakonie Mülheim -
Aktuelles
25 Jahre Beratung für Schwangere im DW
Der Leitspruch ist zeitlos und gilt seit 25 Jahren: „Mit der Frau, nicht gegen sie“. Nach diesem Grundsatz beraten seit dem 1. Juli 2001 die Fachfrauen der Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte des Diakonischen Werkes, kurz „SKB“ genannt, rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt. Die individuelle Situation der ratsuchenden Frauen und ihre persönlichen Wünsche werden dabei stets in den Blick genommen und ins Zentrum der Beratungsarbeit gestellt. Dieses Fundament ist von Beginn an unverändert geblieben, doch haben sich Angebotsstruktur und Konzept der SKB dem gesellschaftlichen Wandel und auch dem medizinischen Fortschritt angepasst.
Man mag es heute kaum glauben, aber im Jahr 2001 war die Eröffnung der Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte als christliche Anlaufstelle bei ungewollten Schwangerschaften keine Selbstverständlichkeit. Die Konfliktberatung, die seit den Neunzigerjahren verbindliche Voraussetzung für einen Abbruch ist, wurde auf der Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr, zu dem das Diakonische Werk bis Ende 2025 gehörte, durchaus kontrovers diskutiert – und letztlich befürwortet.
Dass damit ein wichtiger Arbeitsbereich geschaffen wurde, zeigten die Zahlen von Anfang an: Im ersten Beratungsjahr kamen laut einem Bericht an die Kreissynode aus dem Jahr 2002 gleich 240 Frauen in die Beratung. Und schon damals zeigt sich – die Konfliktberatung ist nur ein Teil des Beratungsangebots. „Im ersten Halbjahr kamen 27 Frauen wegen einer Konfliktberatung und 44 in die allgemeine Beratung“, nennt Sabine Boeger zahlen. Die Diplompädagogin gehört von Anfang an zum SKB-Team. Zunächst nur mit einer anderen Kollegin, mit der sie sich ein kleines Büro teilte. Aktuell besteht das Team aus vier Fachkräften. Im vergangenen Jahr berieten sie 409 Frauen – 95 von ihnen nutzen die Konfliktberatung.
Und so belegen die Zahlen einen Punkt, der Diana Seeger-Linde, die stellvertretende Leiterin der ASD 1 und zugleich Beraterin der SKB ist, besonders wichtig ist: „Die Frauen kommen mit sehr unterschiedlichen Anliegen rund um Schwangerschaft und Geburt zu uns. Sie haben Fragen zu Elterngeld, zu Hebammen, zum Stillen. Die Schwangerschaft ist eine Zeit voller Fragen und unser Ziel ist es immer, den Frauen dabei zu helfen, für sie persönlich passende Antworten zu finden. Wir beraten immer wertfrei, vertraulich und ergebnisoffen.“
Dazu gehört auch, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Denn den Fachfrauen stehen zur Unterstützung der Beratungsarbeit nach Einzelfallprüfung finanzielle Mittel aus der „Bundesstiftung Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“, dem „Landeskirchlichen Härtefonds“ und der „Aktion Lichtblicke“ zur Verfügung.
Die medizinischen Möglichkeiten in der Pränataldiagnostik sowie beim unerfüllten Kinderwunsch haben sich zudem stark weiterentwickelt und bringen Frauen mit ganz neuen Fragestellungen in die Beratung. Auch Trauerbegleitung gehört zur Arbeit der Fachfrauen. „Wir passen unser Angebot dem gesellschaftlichen Wandel an“, sagt Diana Seeger-Linde und meint damit auch die Gruppen- und Präventionsangebote, die das Team der Beratungsstelle anbietet. So gehen die Beraterinnen etwa in Schulen und auch Jugendgruppen und klären über Verhütung auf.
Ein anderes Beispiel ist die Gruppe „jung und schwanger“: „Vor 25 Jahren waren 15 Prozent der bei uns Ratsuchenden minderjährige Teenager“, sagt Beraterin Sabine Boeger. „Heute haben wir kaum noch minderjährige Schwangere in der Beratung.“ Das Gruppenangebot gibt es aber weiterhin. Zudem gibt es regelmäßig einen offenen Treff für Schwangere, bei dem Fachfrauen zu einem bestimmten Thema informieren. Als nächstes geht es beim Treffen am Freitag, 17. Juli 2026, von 10 bis 11.30 Uhr um das Thema „Kinderbetreuung: Möglichkeiten, Planung, Vorgehen“. Treffpunkt ist um 9.45 Uhr an der Information des Diakonischen Werkes am Hagdorn 1a.
Die christliche Stimme in der Konfliktberatung ist die SKB in Mülheim. Insgesamt gibt es in Mülheim fünf Schwangerenberatungsstellen, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Kooperation ist mit allen gut. Denn die Evangelische Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte versteht sich – ebenso wie das Diakonische Werk insgesamt – als Teil eines Hilfenetzwerkes für Mülheimer:innen. So gehört die SKB auch dem Mülheimer Netzwerk „Frühe Hilfen“ an.
Natürlich wird das 25-jährige Jubiläum der SKB und die erfolgreiche, geleitete Arbeit auch gefeiert: Am 27. September steht die Beratungsstelle im Mittelpunkt des diesjährigen Diakoniegottesdienstes, der ab 11.15 Uhr in der Petrikirche gefeiert wird. Dort wird zurück, aber vor allem auch nach vorn geblickt – auf die nächsten erfolgreichen 25 Jahre.
Hilfe bei Hitze für Obdachlose
Von Herbst auf Hochsommer in wenigen Tagen: Das Team der Ambulanten Gefährdetenhilfe, das wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen betreut, ist auf diese plötzlich angestiegenen Temperaturen vorbereitet – denn wohnungslose Menschen sind bei Hitze besonders gefährdet. Um die von ihnen betreuten Menschen zu schützen, greifen die Fachkräfte der Abteilung des Diakonischen Werkes Mülheim an der Ruhr gGmbH auf ein bewährtes und auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmtes Konzept zurück.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die zwei Streetworker der Mülheimer Diakonie – Lukas Brockmann und Leonard Jakobi. Sie sind im gesamten Stadtgebiet und vor allem in der Innenstadt unterwegs und haben ein an die Wetterlage angepasstes „Gepäck“ dabei. Derzeit umfasst dies auch Sonnencreme und Kopfbedeckungen, die ausgegeben werden. Ebenfalls verteilt werden nachfüllbare Wasserflaschen. Dies sind nur einige Beispiele für die nachhaltige und lebenspraktische Unterstützung.
Die Streetworker sind zudem für Mülheimer:innen ansprechbar, die Menschen sehen, die ihnen hilfebedürftig erscheinen. Sie sind erreichbar unter den Telefonnummern: 0170 / 221 48 87, 0176 / 977 26 737 oder 0208 / 302 45-0. „Wir freuen uns über Hinweise“, sagt Streetworker Lukas Brockmann. „Wenn allerdings eine akute Notlage vermutet wird, bitten wir darum, den Notruf 112 zu wählen.“
Zum Angebot der Wohnungslosenhilfe gehört zudem die „Teestube“: Der Treffpunkt an der Auerstraße 49 steht als Rückzugsort offen und ist in der Woche vom 22.06. bis 26.06.2026 jeweils von 8 bis 14 Uhr geöffnet. Dort gibt es nicht nur kostengünstige Mahlzeiten, sondern – als Partner der Refill-Initiative – auch kostenfreies Trinkwasser. Darüber hinaus stehen fachkundige Ansprechpersonen zur Verfügung. An die Teestube ist die Zentrale Beratungsstelle der Wohnungslosenhilfe angeschlossen. Direkt angegliedert ist zudem die Hygienestation. Diese wird von einer Krankenschwester betreut, die als Ansprechpartnerin bereitsteht. In der Hygienestation kann man duschen und Wäsche waschen. Die Kleiderkammer der Ambulanten Gefährdetenhilfe gibt sommerliche Kleidung aus. Auf dem frisch sanierten Hof des innenstadtnahen Gebäudes gibt es darüber hinaus schattige Plätze.
Kontakt:
Ambulante Gefährdetenhilfe / Wohnungslosenhilfe
Auerstraße 47 – 49
45468 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208 / 302 45 -11
E-Mail: agh@diakonie-muelheim.de
Sprechzeiten
montags, mittwochs und freitags:
09.00 - 12.00 Uhr
dienstags und donnerstags:
14.00 - 16.00 Uhr
und nach Vereinbarung
Wohnlicher Innenhof für die Wohnungslosenhilfe
Im Juli 2024 erreichte Birgit Hirsch-Palepu als Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes die Hiobsbotschaft, dass Gebäude auf dem Hof der Ambulanten Gefährdetenhilfe einsturzgefährdet sind. Fast genau zwei Jahre später hat der große Schrecken ein gutes Ende genommen. Das Außengelände der Abteilung des Diakonischen Werkes, die wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen betreut, wurde neugestaltet und aufgewertet. Möglich wurde das durch die Unterstützung des städtischen Hof- und Fassadenprogramms, von Spender:innen, Fachleuten und weiteren Partner:innen. Das wurde nun mit einem Sommerfest gefeiert, zu dem neben den an der Umgestaltung Beteiligten auch die Klient:innen der Wohnungslosenhilfe eingeladen waren.
„Aufenthaltsqualität“ nennen es die Fachleute. Felix Blasch als Baudezernent der Stadt Mülheim an der Ruhr bescheinigt dem neuen, grüneren Hof diese nun – und die Klient:innen der Ambulanten Gefährdetenhilfe können nur zustimmen. „Der neue Hof wird super angenommen“, berichtet Andrea Krause, die die Abteilung des Diakonischen Werkes leitet, bei der Einweihung im Rahmen des Sommerfestes. „Sobald die Sonne raus kommt, nutzen unsere Klient:innen die neu gestaltete Fläche.“
Dem sind zwei arbeitsreiche Jahre vorausgegangen, auf die Geschäftsführerin Birgit Hirsch-Palepu zurückblickt. Von plötzlich gesperrten Gebäuden berichtet sie und von dem damit beginnenden Prozess, in dessen Verlauf sie sich ganz neues Fachwissen aneignete – etwa in Sachen Artenschutz und Brutverhalten von Fledermäusen. Letztlich wurde entschieden, die alten Gebäude nicht zu ersetzen, sondern Aufenthalts- mit Parkfläche zu verbinden und den Hof neu zu gestalten.
Darüber freut sich Baudezernent Felix Blasch besonders, denn er weiß: „In der Innenstadt gibt es viele nicht ansehnliche Innenhöfe, die nur zum Parken oder als Lagerfläche genutzt werden.“ Das Projekt an der Auerstraße war so der einzige Hof, der in der Förderperiode mit Mitteln aus dem Hof- und Fassadenprogramm gefördert wurde. „Sie haben das Potenzial erkannt und genutzt“, bescheinigt er und überreicht die offizielle Förderplakette des Programms an Birgit Hirsch-Palepu.
Auch Leonie Hallmann, die als zweite stellvertretende Bezirksbürgermeisterin die Glückwünsche der Stadt überbringt, spricht von einem „wohnlichen“ Ort, der für Wohnungslose geschaffen wurde. Sie hebt die vielfältigen Gründe hervor, die Wohnungslosigkeit begründen können, und dass deshalb auch „vielfältige Hilfen“ nötig seien. Diese biete die Ambulante Gefährdetenhilfe der Mülheimer Diakonie. Superintendent Pfarrer Michael Manz zitierte als Vorsitzender des Aufsichtsrats des Diakonischen Werkes frei Psalm 84,11: „Ein Tag in deinen Höfen zu verbringen, ist besser als tausend andere.“ Er dankte ebenfalls den vielen Helfer:innen und Spender:innen, die die Umgestaltung unterstützten und etwa die Anschaffung neuer Außenmöbel ermöglichten.
Die werden am Festtag auch gleich gut genutzt. Bei Currywurst und Pommes ist der neu gestaltete Außenbereich voller angeregter Gespräche und Gelächter. Später schaut auch noch ein Eiswagen vorbei und es werden verschiedene Spielangebote gemacht. So ist das erste Fest im neuen alten Hof ein voller Erfolg.