
Diakonie Mülheim -
Aktuelles
Gelungenes Herbstfest der Wohnungslosenhilfe
Es ist Ausdruck der guten und vertrauensvollen Kooperation zwischen Stadt Mülheim und Mülheimer Diakonie: Am Freitag, 2. Oktober 2026, feierte die Ambulante Gefährdetenhilfe als Obdachlosenhilfe des Diakonischen Werkes ihr traditionelles „Herbstfest“. Sozialamtsleiter Thomas Konietzka hatte für die Stadt Mülheim an der Ruhr gemeinsam mit Geschäftsführerin Birgit Hirsch-Palepu und Abteilungsleiterin Andrea Krause für das Diakonische Werk in die Gefährdetenwohnhilfe eingeladen. Gekommen sind Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung, Mitarbeitende von Sozialverbänden und Kirchengemeinden, Ehrenamtliche und natürlich auch Klient:innen, um bei Sonnenschein, leckerem Chili und von der Bäckerei Hemmerle gespendetem Kuchen zu plaudern und sich über das Angebot und die Arbeit der Ambulanten Gefährdetenhilfe zu informieren.
Und diese Arbeit, betonte Bezirksbürgermeisterin Elke Oesterwind in ihrem Grußwort für die Stadt Mülheim, ist „an der Realität ausgerichtet“. Es werde nicht lange nach dem „Warum“ gefragt, vielmehr konzentrierten sich die Sozialarbeiter:innen des Diakonischen Werkes auf die Zukunft und nächsten helfenden Schritte. Die Gefährdetenwohnhilfe, in deren Garten an der Eltener Straße das Herbstfest gefeiert wurde, ist dafür das perfekte Beispiel: Dort werden Menschen betreut, die aufgrund von psychischen Erkrankungen, körperlichen Einschränkungen und/oder Suchterkrankungen nicht in der Lage sind, eine eigene Wohnung zu finden. In der Gefährdetenhilfe leben Männer in Wohngemeinschaften und werden von Fachkräften der Mülheimer Diakonie psychosozial betreut. Die Gebäude gehören der Stadt Mülheim; sie ist für die Hausverwaltung verantwortlich. Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Stadt und Diakonie besteht seit 1994.
Starkes Signal für den Sozialstaat
Den Menschen sind gemeinnützige Träger und eine klare Haltung in der Sozialen Arbeit wichtig – dies ist das Fazit einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Diakonie Deutschland gemacht hat und die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Im Zentrum stand dabei, welche Bedeutung die Angebote sozialer Träger im Alltag der Deutschen haben und wie die Menschen bestehende Strukturen im Spannungsfeld zwischen freien gemeinnützigen Wohlfahrtsverbänden und privaten Anbietern bewerten. Und eben diese Ergebnisse sind eindeutig, betont Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch: „Die Menschen in Deutschland wünschen sich bei sozialen Aufgaben kein Entweder-Oder zwischen Staat und freien, gemeinnützigen Trägern, sondern ein starkes Miteinander. Das ist ein starkes Signal für die Diakonie und die Freie Wohlfahrtspflege insgesamt.“
Mit einem dichten Netz aus Betreuungsangeboten, Beratungsstellung und Pflegeeinrichtungen unterstützt die Freie Wohlfahrtspflege Menschen in jeder Lebenslage und in sozialer Not – gemeinnützig, unabhängig und wertegebunden. Bei der Diakonie arbeiten und engagieren sich rund 1,4 Millionen Menschen, um jährlich etwa zehn Millionen Menschen deutschlandweit zu unterstützen. Das regionale diakonische Werk in Mülheim – die Diakonisches Werk Mülheim an der Ruhr gGmbH – ist Teil dieses breit gefächerten Hilfenetzes und hält vielfältige Angebote vor: Jugend- und Familienhilfe gehört beispielsweise ebenso dazu wie Schwangerenberatung, Sprachkurse für Zugewanderte, die Obdachlosenhilfe und Suchtberatung.
Größter Arbeitsbereich der Diakonisches Werk Mülheim an der Ruhr gGmbH ist die Soziale Arbeit an Schulen, wie Geschäftsführerin Birgit Hirsch-Palepu erläutert: „Wir sind einer der größten Träger von Betreuungsangeboten an Mülheimer Grundschulen. Unsere Kräfte betreuen an 15 Standorten in der ganzen Stadt Schüler:innen im Rahmen der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) und Verlässlichen Grundschule (VGS). Fast 2.400 Kinder nutzen unsere Angebote. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Rechtsanspruches auf einen Ganztagsplatz – und das im engen Austausch mit der Stadt Mülheim.“
Dass Betreuungsangebote ein wichtiger Berührungspunkt für die Menschen sind, belegt die aktuelle Umfrage: Laut der Forsa-Ergebnisse nutzt in der Gruppe der 30- bis 59-Jährigen über die Hälfte (55 Prozent) ein Angebot freier Träger, wenn Kinder im Haushalt leben. Bei Haushalten ohne Kinder sind es in dieser Altersgruppe immer noch 40 Prozent, die bereits Erfahrung mit Angeboten von Wohlfahrtsverbänden haben.
Zugleich fordert ein Großteil (48 Prozent) ausdrücklich ein Zusammenspiel verschiedener Träger. Ein gutes Drittel der Befragten (36 Prozent) sieht die Hauptverantwortung für die Erbringung solcher Leistungen beim Staat. Zwölf Prozent sprechen sich primär für freie gemeinnützige Organisationen aus. Eindeutig fällt das Urteil über kommerzielle Anbieter aus: Lediglich ein Prozent der Menschen möchten soziale Leistungen vorrangig privaten Unternehmen überlassen. Die Erwartung der Bevölkerung richtet sich damit klar auf gemeinwohlorientierte Strukturen.
Kein anderes Merkmal unterscheidet die Befragten so deutlich wie das Alter: Jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren setzen mit 47 Prozent deutlich häufiger auf den Staat als die Über-60-Jährigen mit 33 Prozent. Umgekehrt gewinnt das Modell der Mischung mit dem Alter an Zuspruch, von 40 Prozent bei den Jüngsten auf 52 Prozent bei den Ältesten.
Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf eine immer älter werdende Gesellschaft betont der Diakonie-Präsident, dass der Sozialstaat in Deutschland vom Zusammenspiel lebt: „Der Staat trägt Verantwortung – aber er soll nicht jede soziale Aufgabe selbst organisieren. Gemeinnützige Träger sind ein unverzichtbarer Partner, wenn es darum geht, Menschen verlässlich, wohnortnah und niedrigschwellig zu unterstützen. Bei den anstehenden Reformen des Sozialstaats muss diese bewährte Zusammenarbeit erhalten bleiben.“
Dieser Forderung schließt sich Birgit Hirsch-Palepu an. Zugleich verweist die Geschäftsführerin der Mülheimer Diakonie auf ein weiteres Ergebnis der Umfrage, denn die „macht deutlich, welche Kriterien für das Vertrauen der Menschen entscheidend sind – nämlich Glaubwürdigkeit und Haltung“.
So legen 71 Prozent legen besonderen Wert darauf, dass Träger transparent über ihre Arbeit informieren. 68 Prozent erwarten eine Orientierung an klaren Werten. 55 Prozent ist es wichtig, dass die Anbieter gemeinnützig arbeiten. „Dies sind alles Punkte, die bei uns als Diakonisches Werk Mülheim an der Ruhr gGmbH selbstverständlich sind und nach denen wir arbeiten. Aus diesem Grund freuen wir uns auch in Mülheim sehr über die Ergebnisse und diesen Zuspruch für den Sozialstaat.“
Das müsse die Politik in Zeiten knapper Kassen und einschneidender Reformen aufnehmen, fordert Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch: „Reine Spardebatten helfen nicht weiter, wenn es um die Daseinsvorsorge geht. Die Regierungskoalition muss diese Botschaft ernst nehmen und dafür sorgen, dass sich diese Erwartungen der Menschen in der Politik widerspiegeln.“
Hinweis:
Die repräsentative Umfrage zum Thema „Erwartungen an soziale Träger“ wurde von forsa – Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH im Auftrag der Diakonie Deutschland durchgeführt. Befragt wurden 2.000 Personen ab 18 Jahren, die nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählt wurden. Die Befragung wurde vom 13. bis 17. Juli 2026 telefonisch durchgeführt.
Weitere Informationen:
Wie geht Sozialstaat? Subsidiarität verstehen
Glücksspielsucht wird digitaler
Die Digitalisierung hat auch das Glücksspiel verändert. Mussten Spieler:innen früher in die Spielhalle gehen und Geld in Automaten strecken, können sie inzwischen nur das Handy in die Hand nehmen oder den Computer anschalten. Zugleich wird massiv für Glücksspiel und auch für Sportwetten geworben. Eben dies steht im Mittelpunkt des diesjährigen Aktionstags Glücksspielsucht, der sich für ein komplettes Verbot von Werbung für Sportwetten und Glücksspiel einsetzt. Auch in Mülheim wurde am „Aktionstag gegen Glücksspielsucht“ am Mittwoch, 30. September 2026, Präsenz gezeigt: Von 10 bis 16 Uhr informierten Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen auf dem Kurt-Schumacher-Platz vor dem Forum. Mit dabei war auch das Team des Ambulatoriums des Diakonischen Werkes.
Das „Ambulatorium“ ist eine Beratungs- und Behandlungsstelle für Alkohol- und Medikamentenabhängige sowie für Glücksspiel- und Mediensüchtige – aber auch für deren Angehörige, Freunde und Arbeitsgeber:innen. Die Fachkräfte der Abteilung des Diakonischen Werkes betreuen Menschen ab 18 Jahren in allen Stadien der Abhängigkeit, bieten selbst ambulante Behandlungen an und vermitteln bei Bedarf in weitergehende Therapieangebote.
Vor allem beim Glücksspiel und Gaming steigt der Bedarf stetig. „Die Nachfrage ist aktuell so groß wie nie“, sagt Bereichsleiter Malte Stöß, der auch das Ambulatorium leitet. Glücksspiel, Gaming und Kaufsucht sind sogenannte „Verhaltenssüchte“ – und das Ambulatorium ist laut Malte Stöß „die einzige Beratungsstelle in der näheren Umgebung, die dazu ein Angebot vorhält“. Und das wird sehr gut genutzt.
„Der Bedarf ist sehr groß und er steigt“, berichtet Malte Stöß. „Spielsucht, Sportwetten und vor allem auch Mediensucht nehmen in unserer Beratungsarbeit einen immer größeren Raum ein. Das früher klassische Spielen am Automaten wird davon abgelöst.“ So kommen nun andere Ratsuchende mit anderen Herausforderungen in die Beratungs- und Behandlungsstelle der Mülheimer Diakonie. Um dem gerecht zu werden, wird bereits seit 2022 ein „Ambulante Rehabilitation Sucht (ARS)“ speziell für Pathologische Glücksspieler:innen und Medienabhängige angeboten. Dies ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal, mit dem Ambulatorium eine Versorgungslücke in der Region schließt.
Die ambulante Rehabilitation ist eine Langzeittherapie, die etwa zwölf Monate dauert. Die Teilnehmer:innen kommen wöchentlich zu einem Einzelgespräch und einer Gruppensitzung ins Ambulatorium und gehen sonst normal ihrem Alltag nach. Sie wohnen zu Hause, können weiterhin arbeiten und in ihrem gewohnten Umfeld leben.
Dieses Angebot hat das Team beim Aktionstag vor dem Forum vorgestellt, aber auch allgemein zur Glücksspielsucht informiert. Der Aktionstag wurde maßgeblich von den Selbsthilfegruppen organisiert, mit denen das Diakonische Werk eng zusammenarbeitet. Ebenfalls dabei auf dem Kurt-Schumacher-Platz war die Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas Rhein-Kreis Neuss.
Weitere Info unter:
Aktionstag gegen Glücksspielsucht – 30. September 2026
Aktionstag gegen Glücksspielsucht – Suchtkooperation NRW